Die Sprache des Körpers hören – Warum die craniosacralen Rhythmen von Bedeutung sind und wie ich damit arbeite.

Alles, was wir erleben – freudvolle Momente ebenso wie Stress, Überforderung oder traumatische Erlebnisse – hinterlassen Spuren in uns: in unserem Körper und in unserem Geist.

Während sich unser System dann, wenn wir schöne Momente erleben, öffnet und viel Raum und Weite entstehen kann, haben unangenehme Erlebnissen das Gegenteil zur Folge, nämlich ein Zusammenziehen und Enge.

Können diese Eindrücke nicht integriert werden, können sie die natürlichen Eigenbewegungen unseres Gewebes und sogar den Fluss des Liquors beeinträchtigen.

In jeder Blockade ist viel wertvolle Energie eingekapselt, die nicht fließt und sohin auch nicht dem System zur Verfügung steht.

Wie ich als Craniosacral-Praktiker:in damit arbeite

Als Craniosacral-Praktikerin bin ich darin ausgebildet, die feinen Eigenbewegungen des Körpers und den Fluss des Liquors wahrzunehmen – in mir selbst und bei meinen Klient:innen.

Ich arbeite mit sehr achtsamen und sanften Berührungen am bekleideten Körper. Und doch ist Cranio weit mehr als bloßes Handauflegen.

Ich lausche dabei nämlich mit meinen Händen – und meinem ganzen Sein – deinen Rhythmen.

Dafür ist es wichtig, dass ich innerlich still werde und dir meine ungeteilte Aufmerksamkeit schenke – kein Gedanke und auch kein aktives Wollen darf meine eigene Wahrnehmung stören, weil ich den subtilen Rhythmus des Flusses deines Liquors sonst nicht hinreichend fühlen kann.

Ist der natürliche Fluss beeinträchtigt, kann sich das zum Beispiel als Unruhe, Stocken, Verhärtung, Verwirbelung, oder feines Pulsieren zeigen. So erfahre ich, was dein Körper ausdrückt, was er braucht und was losgelassen werden möchte, damit er wieder in sein eigenes Gleichgewicht finden kann.

Aus dieser Präsenz heraus entsteht ein Feld von Ruhe, in dem die angeborene Intelligenz deines Körpers beginnen darf, sich neu zu ordnen.

In der Stille liegt die Kraft

Während meiner dreijährigen Ausbildung ist mein Vertrauen in die Selbstheilungskräfte des Körper immer weiter gewachsen. Ich habe erfahren, dass Behandlungen oft umso nachhaltiger wirken, je weniger ich aktiv eingreife.

Jedem Eingriff geht ein Gedanke und ein aktives Wollen voraus, das die natürlichen Selbstheilungskräfte wiederum beeinträchtigen kann. So wie ein Grashalm nicht schneller wächst, wenn man an ihm zieht, regeneriert sich auch unser System in seinem eigenen Tempo und auf die ihm bestmögliche Art und Weise, wenn wir ihm Sicherheit und Ruhe schenken, die es dafür braucht.

Unsere Selbstheilungskräfte unterstützen wir am besten, wenn wir Entspannung und Stille in unser System hineinbringen und nicht der Ungeduld unseres Verstandes folgen.

Kann man diesen Rhythmus in sich selbst spüren lernen?

Ja. Mit etwas Übung und Geduld ist das möglich. Folgende kleine Übung lädt dich ein, deinem Körper einmal aiuf diese Weise zu lauschen. Lies sie dir zuerst in Ruhe durch und nimm dir dann Zeit für dich.

Eine Einladung zum Lauschen

Setze oder lege dich hin und mache es dir ganz bequem. Spüre noch einmal in dich hinein, ob du noch irgendetwas brauchst, bevor du mit der Übung beginnen kannst. Wichtig ist, dass du es möglichst angenehm hast, damit dein Körper aus dem Weg treten kann und du dich nur auf die Wahrnehmungen deines Gewebes einstimmen kannst.

Lege deine Hände ganz sanft und ohne Druck auf deinem Körper ab. Gute Lauschpositionen an sich selbst sind z.B. die Oberschenkel oder die Seiten des Beckens. Versuche eine Stelle zu finden, die sich für dich stimmig anfühlt und wo du deine Finger ganz entspannt ablegen kannst.

Entspanne deinen Körper – vor allem deine Finger, deine Hände, deine Arme und deine Schultern. Lass alle Anspannungen los und lass deinen Körper auf der Unterlage schwer werden.

Schließe deine Augen und warte ab, bis sich Stille abgesenkt hat in dir. Deine Gedanken ziehen vorbei, ohne dass du dich von ihnen mitziehen lässt. Versuche alle Erwartungen abzugeben.

Alles, was du nun gleich wahrnehmen kannst, ist ein Geschenk. Du musst und kannst dabei nichts forcieren, je spielerischer und entspannter du dabei vorgehst, desto besser.

Lauschen mit den Händen

Richte deine Aufmerksamkeit sanft auf deine Hände:

  • Spürst du ihre Berührung mit deiner Haut oder deiner Kleidung? Wie fühlt sich das an: fühlst du Wärme oder Kühle, fühlt es sich vielleicht glatt an oder rauh?
  • Kannst du Kontakt zu dem darunter liegende Gewebe aufnehmen? Wie fühlt es sich an: fest oder weich? Sinkst du vielleicht sogar etwas ein bei deiner Berührung?

Nimm das, was du wahrnehmen darfst, an, so wie es ist. Du musst nichts forcieren, du musst dich auch nicht anstrengend, versuche vielmehr mit offenem und weitem Geist voller Neugier zu forschen, was in deine Finger kommt – was du also wahrnehmen kannst.

Lass dir Zeit.

Versuche nun den Druck deiner Hände noch etwas leichter und weicher werden zu lassen. Lass deine Hände am Gewebe schwimmen – sie floaten darauf wie ein Korken auf dem Wasser. Übe keinen Widerstand aus.

  • Kannst du vielleicht spüren, dass sie sich ganz subtil bewegen und hierhin und dorthin getrieben werden? Leiste keinen Widerstand, sondern lass zu, was passiert und beobachte es einfach nur interessiert.
  • Spürst du vielleicht sanfte Zuckungen, eine Art von Loslassen von Spannung, möglicherweise auch ein Pochen und Pulsieren oder irgendwelche Verhärtungen?
  • Gibt es irgendwelche Unterschiede zwischen rechts und links?

Lass deine Aufmerksamkeit noch offener – deinen inneren Blick noch weicher und gleichzeitig weiter – werden:

  • Kannst du, wenn du das machst, vielleicht sogar ein sanftes An- und Abschwellen – wie eine Art Atmung – wahrnehmen, sehr fein, zart und subtil? Es ist oft eher ein Hauch einer Ahnung als eine tatsächliche Bewegung.
  • Falls du etwas wahrnehmen kannst, beobachte den Rhythmus mit wachen Interesse: Wie lange dauert er in etwa? Wie ist seine Qualität?
  • Steigen vielleicht irgendwelche Bilder oder Gefühle in dir auf, während du hier so sitzt oder liegst und lauscht. Versuche sie wahrzunehmen, ohne dich von ihnen fesseln zu lassen. Lass sie weiterziehen.

Bleibe mit deiner Aufmerksamkeit bei deinen Händen, solange du Lust dazu hast.

Dann beende die Übung, indem du den Kontakt deiner Hände ganz langsam wieder von den Körperteilen löst, wo sie gelauscht haben.

Alles, was du wahrnehmen durftest – egal, was es ist – ist ein Geschenk.

Hast du jemals davor deinem Körper so intensiv gelauscht? Sei bitte nicht enttäuscht, wenn du dieses sanfte An- und Abschwellen des Gewebes vielleicht noch nicht spüren konntest: Kaum jemandem gelingt dies beim ersten Mal – Übung macht den/die Meister:in!

Nimm nun ein paar tiefe Atemzüge und öffne deine Augen und strecke und rekle dich, wenn du magst.

  • Wie geht es dir jetzt?
  • Hat sich etwas in deiner Wahrnehmung ein wenig verändert im Vergleich zu vor dieser Übung?

Du möchtest das einmal bei einer Cranio ausprobieren?

Wenn du spüren möchtest, wie sich Craniosacral Balancing anfühlt, freue ich mich, wenn du mich in meiner Praxis besuchen kommst: